Gedanken zu meinen Fotos

Pablo Picasso sagte unter anderem (er hat uns ja viele Statements zur Kunst hinterlassen): „Ich male die Dinge so, wie ich sie denke, nicht wie ich sie sehe“. Dieser Satz könnte als Motto über meinen Fotografiken stehen.

Lange Jahre war ich hauptsächlich Maler – die Umsetzung von Bildvorstellungen abstrakter Art in Acryl war mein Ausdrucksmittel, auch die Zeichnung mit Bleistift und/oder Farbstift.

Das Geistige, somit Abstrakte in der Kunst beschäftigt die Künstler seit den Anfängen der Künste, spätestens bzw. verstärkt seit Beginn der abstrakten Malerei: Malen, was ich nicht sehen kann, aber was trotzdem existiert. Beziehungen, Empfindungen, Eindrücke umsetzen in Bilder.

Durch zeitliche Begrenzung einerseits und Vorlieben andererseits verlagerte sich seit 2004 der Schwerpunkt meiner künstlerischen Tätigkeit auf die Fotografie und deren anschließende Bearbeitung am Computer. Nicht verändert hat sich aber mein Interesse an Bildaussagen, die sich der Formen und – ganz besonders – der Farben bedienen. Ich bin also ein „Lichtmaler“ geworden. Das vorläufige Ergebnis dieser Suche nach neuen, bisher ungeschaffenen Bildinhalten siehst du – unter anderem – hier.

Manche meiner Fotografiken scheinen merkwürdig, eine besondere Perspektive wurde gewählt oder ich fotografiere ein Detail, das anderen Menschen nicht „fotogen“ erscheinen würde – Ausschnitte von Landschaften, Bauten, Gegenständen. Durch die Behandlung des Ausgangsmaterials im Sinne meiner „Bildfindung“ erhalten die Fotos, die zu Fotografiken werden, eine eigene Identität, eine eigene Würde –


 

auch wenn das zugrunde liegende Motiv unscheinbar ist. Die so entstehenden Werke sind würdig, gemerkt – bemerkt – zu werden: die andere Bedeutung des Wortes „merkwürdig“, das ich auch schon als Titel einer Ausstellung wählte.

Zur Technik: Am Computer bearbeite ich die fotografierten Motive so lang, bis sie meiner Vorstellung vom Bild entsprechen. Wie in der Malerei suche ich die Farbkontraste, verstärke hier, nehme dort Farbe zurück und verbinde zwei oder mehr Motive zu einem Gesamtwerk. Ich verwende für meine charakteristischen „Lichtbilder“ verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten von Computerprogrammen wie Tontrennung und Farbverstärkung. Wichtig ist mir letztlich die Bildaussage, die die abgebildete Realität der Fotografie umwandelt zu meiner „Bildwerdung“. Eine solche fertige Fotografik entspricht einem Bild, das ein Maler mehrfach korrigiert und übermalt hat, bis es seinem „inneren Bild“ gleicht. Ich erinnere nochmal an das Picasso-Zitat vom Anfang.

Diese Bilder sprechen eine Sprache, fordern zum Dialog auf, gerade auch, wenn kein Titel eine Denkrichtung vorgibt. Denn ein Bild ist immer nur so gut wie der Betrachter sich Zeit dafür nimmt – sich zuerst fragt: „Was bedeutet es für mich?“, bevor er sich nach Titel und Technik erkundigt. Ein Betrachter, der innerlich stumm vor einem Bild steht, wird diesem kaum sein Geheimnis entlocken. Nicht der Maler oder – in diesem Fall – der Fotograf muss sein Bild erklären, sondern der Betrachter muss seine Interpretation finden. Jeder von uns wird in den gezeigten Fotografien/Fotografiken etwas anderes sehen (und sei es auch nur ein klein wenig anders): Wie kann da der Künstler eine für alle Betrachter gültige Beschreibung seines Werkes abgeben?

Harry Kurz, November 2017


Scroll to top
Kontakt: Mail / Homepage / Impressum / Datenschutzerklärung